Ein Song von Peter D. Reimer

Man kann weiterarbeiten, Entscheidungen treffen und für andere da sein – und sich dabei selbst immer weiter verlieren.
„Nicht mehr bei mir“ erzählt von einem Menschen, der nach außen funktioniert, während er innerlich kaum noch erreicht, was in ihm geschieht.
Nicht als sichtbarer Zusammenbruch. Sondern als leise Entfernung von dem Menschen, der man einmal war.
Von der Rüstung, die lange getragen hat.
Und von dem Moment, in dem sie zu schwer wird.
Nach außen noch da
Man steht auf.
Man arbeitet.
Man antwortet.
Man entscheidet.
Andere sehen einen Menschen, der sein Leben im Griff hat.
Sie sehen nicht, wie viel Kraft es kostet, diese Version von sich jeden Tag aufrechtzuerhalten.
Sie sehen nicht die Gedanken, die erst dann laut werden, wenn niemand mehr etwas verlangt.
Und sie sehen nicht, wie weit ein Mensch sich von sich selbst entfernen kann, ohne dass es jemand bemerkt.
Ich bin nicht mehr bei mir,
obwohl ich immer weitergeh.
Steh noch hier,
doch weiß nicht mehr, wofür ich steh.
Die Rüstung funktioniert
Sie schützt.
Sie hält Erwartungen, Verantwortung und Zweifel auf Abstand. Sie hilft dabei, weiterzumachen, wenn eigentlich längst etwas stehen bleiben müsste.
Doch eine Rüstung unterscheidet nicht zwischen dem, was draußen bleiben soll, und dem, was noch zu einem selbst gehört.
Irgendwann schützt sie nicht mehr nur vor Verletzungen.
Sie verhindert auch, dass man sich selbst noch erreicht.
„Nicht mehr bei mir“ ist kein Song über Schwäche.
Er handelt von Menschen, die zu lange stark waren, ohne sich zu fragen, welchen Preis sie dafür bezahlen.
Nicht zurück zum alten Ich
Ein Mensch muss nicht zusammenbrechen, um sich verloren zu haben.
Er kann weiterhin verlässlich sein.
Weiterhin lächeln.
Weiterhin für andere da sein.
Und trotzdem innerlich an einem fremden Ort stehen.
Der Song verspricht keine schnelle Lösung. Keinen plötzlichen Neuanfang und kein neues Leben von heute auf morgen.
Es bleibt Unsicherheit.
Aber zum ersten Mal auch die Möglichkeit, stehen zu bleiben. Wieder zu atmen. Und sich selbst nicht länger hinter allem verschwinden zu lassen, was man sein musste.
Vielleicht komm ich zurück zu mir.
Nicht heute und nicht sofort.
Doch ich bleib nicht mehr für immer
an diesem fremden Ort.
Songtext
Nicht mehr bei mir
Strophe 1
Ich steh morgens auf
und spiel den Mann, den jeder kennt.
Sag, es geht schon irgendwie,
während innen etwas brennt.
Ich trag Termine, trag Entscheidungen,
trag das Lächeln im Gesicht.
Alle sehen, dass ich funktioniere.
Nur mich selber sehen sie nicht.
Ich geh durch Räume voller Stimmen,
doch kein Wort erreicht mich mehr.
Jeder glaubt, ich hätte alles.
Dabei kann ich mich kaum noch tragen.
Pre-Chorus
Und wenn es still wird, hör ich Fragen,
die ich tagsüber verdräng.
Wie lange kann ein Mensch noch weitermachen,
wenn er sich selbst nicht mehr erkennt?
Refrain
Ich bin nicht mehr bei mir,
obwohl ich immer weitergeh.
Steh noch hier,
doch weiß nicht mehr, wofür ich steh.
Ich bin nicht mehr bei mir,
hab mich irgendwo verlor’n.
Zwischen allem, was ich sein musste,
und dem, was ich einmal war.
Ich bin nicht mehr bei mir.
Doch keiner sieht es mir an.
Weil ein Mensch selbst dann noch lächeln kann,
wenn er längst nicht mehr kann.
Strophe 2
Ich hab gelernt, nichts zu zeigen,
wenn der Körper nicht mehr schweigt.
Hab gelernt, mich zu beherrschen,
während alles in mir schreit.
Ich hab jede Nacht versprochen:
Morgen fang ich anders an.
Doch der Morgen kam wie immer,
und ich zog die Rüstung an.
Ich gab Antworten für alle,
war für jeden irgendwie da.
Nur wenn ich mich selber brauchte,
war von mir nichts wirklich da.
Pre-Chorus
Und wenn es still wird, hör ich Schritte,
doch ich weiß nicht, wem sie gehör’n.
Vielleicht dem Menschen, der ich früher war.
Vielleicht will er mich noch hör’n.
Refrain
Ich bin nicht mehr bei mir,
obwohl ich immer weitergeh.
Steh noch hier,
doch weiß nicht mehr, wofür ich steh.
Ich bin nicht mehr bei mir,
hab mich irgendwo verlor’n.
Zwischen allem, was ich sein musste,
und dem, was ich einmal war.
Ich bin nicht mehr bei mir.
Doch keiner sieht es mir an.
Weil ein Mensch selbst dann noch lächeln kann,
wenn er längst nicht mehr kann.
Bridge
Vielleicht war ich nie zu schwach.
Vielleicht war ich nur zu lang stark.
Vielleicht hab ich mich nicht verloren.
Vielleicht hab ich mich nur nie gefragt.
Was bleibt von mir,
wenn niemand etwas von mir will?
Wer bin ich noch,
wenn es um mich herum wird still?
Und wenn ich jetzt stehen bleibe,
bricht dann alles über mir zusammen?
Oder fängt genau in diesem Moment
mein eigenes Leben wieder an?
Letzter Refrain
Ich war nicht mehr bei mir,
doch ich hör mich wieder atmen.
Ganz leise erst,
zwischen all den alten Fragen.
Ich war nicht mehr bei mir,
hab mich irgendwo verlor’n.
Zwischen allem, was ich sein musste,
und dem, was ich einmal war.
Vielleicht komm ich zurück zu mir.
Nicht heute und nicht sofort.
Doch ich bleib nicht mehr für immer
an diesem fremden Ort.
Ich komm zurück zu mir.
Auch wenn noch niemand daran glaubt.
Zum ersten Mal seit langer Zeit
hab ich die Rüstung abgelegt.
Outro
Ich bin noch hier.
Nicht mehr derselbe.
Aber vielleicht
zum ersten Mal
wieder bei mir.
Angaben zum Song
Künstler: Peter D. Reimer
Texte: Peter D. Reimer
Texte © 2026 Peter D. Reimer
Aufnahmen ℗ 2026 Peter D. Reimer
Alle Rechte vorbehalten.
